TL;DR: In 9 Wochen tritt das Barrierefreiheitsgesetz in Kraft (28. Juni 2025). Online-Shops sind IMMER betroffen — auch Kleinstunternehmen. Was jetzt umgesetzt werden muss und welche Strafen drohen.
Warum Online-Shops besonders betroffen sind
Das BaFG unterscheidet zwischen Produkten und Dienstleistungen. Die Kleinstunternehmen-Ausnahme gilt nur für Dienstleistungen. Online-Shops verkaufen Produkte — und sind damit IMMER betroffen, egal wie klein das Unternehmen ist.
Das bedeutet: Auch ein Ein-Personen-Online-Shop mit 200.000 € Umsatz muss WCAG 2.1 Level AA erfüllen. Keine Ausnahme.
Was genau muss barrierefrei sein?
Produktsuche und Navigation
- Filter und Sortierung per Tastatur bedienbar
- Suchfunktion mit Autocomplete muss per Keyboard navigierbar sein
- Breadcrumbs mit ARIA-Labels
- Kategorien logisch strukturiert (nicht nur visuell)
Produktseiten
- Alle Produktbilder mit aussagekräftigen Alt-Texten
- Produktvarianten (Farbe, Größe) ohne reine Farbkodierung
- Preise als Text, nicht nur als Bild
- Verfügbarkeitsstatus für Screenreader lesbar
Warenkorb
- Statusänderungen (Produkt hinzugefügt/entfernt) als ARIA-Live-Region
- Mengeneingabe mit Label
- Zusammenfassung als strukturierte Tabelle
Checkout
- Formulare mit Labels und Fehlermeldungen
- Pflichtfelder gekennzeichnet (nicht nur mit Farbe)
- Fehler spezifisch beschrieben ("E-Mail-Adresse ungültig" statt "Fehler")
- Fortschrittsanzeige (Schritt 1 von 3) für Screenreader
Bezahlung
- Alle Zahlungsmethoden per Tastatur bedienbar
- Redirects zu Zahlungsanbietern transparent
- 3D-Secure Challenge barrierefrei (liegt beim Zahlungsanbieter)
Bestellbestätigung
- Strukturierte Zusammenfassung
- Bestellstatus per Screenreader lesbar
- Tracking-Info mit ARIA-Labels
Welche Strafen drohen?
- Erstverstoß: Abmahnung und Frist zur Nachbesserung
- Nach Frist: Bis zu 80.000 € für Großunternehmen, bis zu 50.000 € für KMU
- Wiederholte Verstöße: Verdopplung der Strafe möglich
- Zusätzlich: Marktüberwachungsbehörde kann den Verkauf untersagen
9-Wochen-Notfallplan
- Woche 1-2: Audit durchführen (Lighthouse, WAVE, axe DevTools). Alle Probleme dokumentieren.
- Woche 3-4: Kritische Fixes — Alt-Texte, Kontraste, Tastaturnavigation, Formular-Labels.
- Woche 5-6: Checkout und Bezahlung barrierefreiheitsfähig machen.
- Woche 7-8: Testen mit Screenreader (VoiceOver/NVDA). Letzten Feinschliff.
- Woche 9: Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen. Feedback-Mechanismus einrichten.
Was eine Barrierefreiheitserklärung enthalten muss
- Erklärung zum Konformitätsgrad (WCAG 2.1 Level AA)
- Bekannte Einschränkungen (wenn vorhanden)
- Kontakt für Barrierefreiheits-Feedback
- Link zum Beschwerdemechanismus
- Datum der letzten Prüfung
Fazit
9 Wochen sind knapp, aber machbar. Die wichtigsten Maßnahmen (Alt-Texte, Kontraste, Tastaturnavigation, Formular-Labels) decken 80% der Probleme ab. Für einen vollständigen Audit und professionelle Umsetzung empfehlen wir professionelle Unterstützung.
Bei r.digital bauen wir barrierefreie Online-Shops und führen Audits für bestehende Shops durch. Ob Shopify, WooCommerce oder Headless — wir machen deinen Shop BaFG-konform. Und ja, das ist über KMU.DIGITAL förderbar.
Häufige Fragen
Gilt das BaFG auch für Shopify-Shops?
Ja. Das BaFG gilt für den Betreiber, nicht für die Plattform. Egal ob Shopify, WooCommerce, Magento oder custom — DU bist verantwortlich, nicht der Plattform-Anbieter.
Kann ich mich mit einer Erklärung "teilweise konform" schützen?
Nein. "Teilweise konform" ist keine rechtliche Schutzmaßnahme. Das BaFG verlangt Konformität, nicht Absichtserklärungen. Aber: Ein dokumentierter Plan zur Erreichung der Konformität kann bei Erstverstoß strafmildernd wirken.
Was kostet ein Barrierefreiheits-Audit für einen Online-Shop?
Für einen typischen Shop mit 50-200 Produkten: 2.000-5.000 € für Audit + Maßnahmenplan. Die Umsetzung kommt dazu (je nach Aufwand 2.000-10.000 €). Ein Teil davon ist über KMU.DIGITAL förderbar.



