TL;DR: Das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) gilt seit gestern, 28. Juni 2025. Es gibt keine Übergangsfrist für Websites. Wer jetzt nicht konform ist, riskiert Strafen bis 80.000 €. Hier sind die Sofort-Maßnahmen die du HEUTE umsetzen kannst.
Was seit gestern gilt
Seit dem 28. Juni 2025 müssen B2C-Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern oder über 2 Mio. € Umsatz ihre digitalen Angebote barrierefrei nach WCAG 2.1 Level AA gestalten. Für Online-Shops gilt die Pflicht auch für Kleinstunternehmen.
Es gibt keine Übergangsfrist. Neue Websites, Apps und E-Commerce-Angebote müssen ab sofort konform sein. Bestehende Angebote hätten seit dem Beschluss 2023 Zeit gehabt — diese Zeit ist jetzt abgelaufen.
Wie wird kontrolliert?
Das Sozialministeriumservice ist die zuständige Marktüberwachungsbehörde in Österreich. Die Kontrolle erfolgt:
- Anlassbezogen: Beschwerden von Nutzern lösen eine Prüfung aus
- Stichprobenartig: Systematische Marktüberwachung
- Beraten vor Strafen: Im ersten Schritt wird beraten und eine Frist zur Nachbesserung gesetzt
Aber: "Beraten vor Strafen" heißt nicht "keine Konsequenzen". Nach der Beratungsfrist drohen Verwaltungsstrafen.
Was du HEUTE tun kannst — 5 Sofort-Maßnahmen
1. Schnell-Audit mit WAVE (10 Minuten)
Installiere die WAVE Browser Extension (kostenlos) und prüfe deine wichtigsten Seiten. WAVE markiert Fehler visuell direkt auf der Seite. Rote Icons = Fehler, gelbe = Warnung.
Fokussiere auf: Startseite, Kontaktseite, Produktseiten (bei Shops), Checkout.
2. Alt-Texte für alle Bilder (1-2 Stunden)
Der häufigste Fehler: Bilder ohne Alt-Text. Geh durch deine Website und füge beschreibende Alt-Texte hinzu. "Team-Meeting im Büro von r.digital in Graz" statt "IMG_4523".
Dekorative Bilder (Hintergründe, Trennlinien): alt="" (leer, nicht weglassen).
3. Kontrast-Check (30 Minuten)
Prüfe alle Text-Farben gegen ihre Hintergründe. Minimum: 4.5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text (ab 18px bold). Tool: WebAIM Contrast Checker (kostenlos, im Browser).
Häufigste Fehler: Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund, farbige Buttons mit zu wenig Kontrast.
4. Tastaturnavigation testen (20 Minuten)
Drücke Tab und navigiere durch deine gesamte Website. Prüfe:
- Erreichst du alle Links, Buttons und Formularfelder?
- Siehst du immer, wo der Fokus gerade ist (Fokus-Indikator)?
- Bleibst du irgendwo hängen (Tastaturfalle)?
- Kannst du das Menü per Tastatur öffnen und schließen?
5. Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen (30 Minuten)
Jede Website braucht eine Barrierefreiheitserklärung. Erstelle eine Unterseite (/barrierefreiheit) mit:
- Erklärung zum Konformitätsgrad
- Bekannte Einschränkungen
- Kontaktmöglichkeit für Feedback
- Datum der letzten Prüfung
Was du NICHT tun solltest
- Overlay-Widgets kaufen: accessiBe, UserWay und Co. sind keine Lösung. Sie lösen die strukturellen Probleme nicht und können die Barrierefreiheit sogar verschlechtern. Die Accessibility-Community lehnt sie einhellig ab.
- Ignorieren: "Uns kontrolliert schon keiner" ist eine riskante Strategie. Abgesehen von Strafen: 15-20% der Bevölkerung haben eine Einschränkung — das sind potenzielle Kunden.
- Panik-Redesign: Ein kompletter Relaunch ist nicht nötig. Die meisten WCAG-Anforderungen können an bestehenden Websites umgesetzt werden.
Professionelles Audit — wann es sich lohnt
Die Sofort-Maßnahmen decken die häufigsten Probleme ab. Für eine vollständige WCAG 2.1 AA Konformität braucht es aber ein professionelles Audit:
- Automatisierte Tests finden ca. 30-40% der Probleme
- Manuelle Tests (Screenreader, Keyboard-only) finden die restlichen 60-70%
- Ein Audit kostet 1.500-4.000 € für eine typische KMU-Website
- Die Umsetzung der Maßnahmen: 1.000-5.000 € zusätzlich
Fazit
Das BaFG ist da — und es geht nicht mehr weg. Die gute Nachricht: Der Ansatz ist "beraten vor strafen". Wer jetzt handelt und einen dokumentierten Plan hat, ist auf der sicheren Seite. Die Sofort-Maßnahmen oben sind in 3-4 Stunden umsetzbar und decken die kritischsten Probleme ab.
Für ein professionelles Audit und die vollständige Umsetzung: Kontaktiere r.digital. Wir bauen barrierefreie Websites und machen bestehende Seiten BaFG-konform.
Häufige Fragen
Kann ich jetzt noch schnell konform werden?
Teilweise. Die kritischsten Fehler (Alt-Texte, Kontraste, Tastaturnavigation) sind schnell fixbar. Für volle Konformität braucht es mehr Zeit — aber ein dokumentierter Aktionsplan zeigt guten Willen.
Wer kontrolliert in der Steiermark?
Das Sozialministeriumservice auf Bundesebene. Beschwerden können von jedem eingebracht werden — Nutzer, Interessenverbände, Konkurrenten.
Gilt das auch für meine Social-Media-Kanäle?
Nicht direkt. Das BaFG betrifft Websites, Apps und E-Commerce. Aber: Barrierefreie Social-Media-Inhalte (Alt-Texte, Untertitel) sind Good Practice und verbessern die Reichweite.



